Ausbildungsmöglichkeit: Kleine Einsatzübungen

IMG_1136 KopieEinsatzübungen kommen bei den meisten Feuerwehrleuten gut an. Ob nun Alarmübung oder während des regulären Dienstes mit Vorankündigung: Möglichst realistisch üben im großen Set-Up macht einfach fast allen Spaß. Es ist ja schließlich wie beim Fußbal: Ausbildung ist das Training, Einsätze das entscheidende Spiel. Und Einsatzübungen sind quasi “Testspiele”. Aber gut vorbereitete Einsatzübungen kosten Zeit und Nerven (und manchmal auch Geld).Aus der Not geboren, entstand bei uns in der Feuerwehr die Idee der “kleinen Einsatzübungen”. Warum sollte man immer nur spektakuläre Verkehrsunfälle oder Gebäudebrände mit der Verrauchung von ganzen Etagen üben? Natürlich hilft es bei einfacheren Lagen genauso und man ist auch auf den Worst-Case vorbereitet. Aber kleinere Einsatzlagen bieten gleich mehrere Vorteile:

1.) Man kann innerhalb eines Dienstabends mehrere Themen bearbeiten. Im Endeffekt ist der Lernbereich also größer. Oder man richtet es auf ein Grundthema aus und variiert dann in Details. So erarbeitet man eventuell neue Lösungsansätze für alltägliche Lagen. Das führt uns auch direkt zum zweiten Punkt…

2.) Man kann auch mal 08/15 Lagen üben. Den Papierkorbbrand, kleinere Arbeitsunfälle oder einfache Hilfeleistungen. Auch beziehungsweise gerade diese Lagen gehören zu den heldenhaften Aufgaben der Feuerwehren. Vielleicht kommt während des Übungsdienstes ein Kamerad auf eine gute Lösung oder entdeckt womöglich eine völlig neue Anwendung eines Geräts (was glaubt ihr, wie die vielen einzelnen Werkzeuge zum Halligan-Tool wurden).

3.) Bei einer großen Einsatzübung werden selten unerfahrene Führungskräfte eingesetzt. Auch etwas jüngere bzw. unerfahrenere Kameraden können so an die Führungsposition geführt werden. Selbst wenn eine der kleinen Übungen so in die Hose geht, kann man die Motivation der Gruppe retten, indem danach eine Übung mit Erfolgsgarantie eingespielt wird.

4.) Sammelt man die Ideen für diverse kleine Einsatzlagen in einer “Kartei”, kann man auch spontan bei einer Ausbildung darauf zurückgreifen, wenn die ursprüngliche Planung, aus welchen Gründen auch immer, nicht durchgeführt werden kann.

5.) Durch die kleinen, übersichtlichen Lagen und die entsprechende Auswahl der Einsatzmittel sind in der Regel alle Kräfte beschäftigt und niemand langweilt sich.

Wie kann ein Dienstabend mit “kleinen Einsatzübungen” aussehen?
Ich erstelle grundsätzlich für meine Ausbildungen gern Ablaufpläne im Vorfeld um den zeitlichen Ablauf und die Materialplanung vor Augen zu haben (ein Tipp einer Lehrerin!). Das kann dann beispielsweise so aussehen:

Ablaufplanung_22-07-11_Kl_einsatzübungen

Ihr könnt sehen, dass an diesem Abend drei oder vier kleine Lagen geplant sind. Dabei ist man sehr flexibel und kann die letzte Übung auch weglassen, wenn für die ersten zu viel Zeit verbraucht wurde. Zusätzlich ist in diesem Beispiel noch ein komplettes Alternativprogramm eingeplant. An diesem Abend sollte bei entsprechendem Teilnehmerkreis als zusätzliches Thema das Türöffnungswerkzeug eingeführt werden.
Die Schweierigkeitsgrade der einzelnen Übungen können sich auch unterscheiden, sodass man sowohl “alte Hasen” als auch “Frischlinge” unter den Führungskräften fordern kann.
Sicher kann man bei dieser Art von Übungen nicht das volle Repertoire an realistischer Darstellung auspacken, da eine Nebelmaschine einfach etwas Zeit braucht. Aber darum geht es nicht; vielmehr sollen Standardabläufe trainiert werden, die in beinahe jedem Einsatz benötigt werden. Und nebenbei können die Gruppenführer ihre Führungsqualitäten erlangen.

Beispiele für solche kleinen Lagen
Im Prinzip sind es Lagen, die entweder mit dem einzigen Fahrzeug der jeweiligen Feuerwehr (z.B. Grundausstattungswehr) oder einem Löschfahrzeug bearbeitet werden können. Ausgelegt also ungefähr auf die Stärke einer Gruppe. Bei größerer Dienstbeteiligung lässt man entweder zwei Gruppen parallel arbeiten (doppelte Vorbereitung und weitere Beobachter/Helfer notwendig) oder baut die Lagen etwas aus.
Beispielsweise könnten diese Lagen ein Containerbrand sein. Oder die Rettung eines Arbeiters aus dem ersten Stockwerk durch ein enges Treppenhaus oder durch ein Fenster. Ein Waldarbeiter, der aus einem steilen Tal gerettet werden muss ist ebenso denkbar, wie eine unklare Rauchentwicklung, die sich vor Ort als Fehlalarm herausstellt. Was alle diese Lagen gemeinsam haben, ist die Einsatzdauer von deutlich weniger als 30 Minuten. Und eben die Tatsache, dass es unsere täglichen Aufgaben sind – und nicht der Dachstuhlbrand mit 50 Einsatzkräften und Verpflegung durch Bereitschaftszüge…

Welche Lagen fallen euch ein, die man so üben könnte? Haltet ihr diese Art Übungsdienst für gut oder schlecht? Habt ihr andere/bessere Ideen? Dann her damit! E-Mail an christian.rambow@feuerwehrleben.de

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2 Gedanken zu “Ausbildungsmöglichkeit: Kleine Einsatzübungen

  1. Finde ich grundsäzlich eine gute Idee und wenn eine Nebelmaschine nicht lohnt für eine kleinere Übung, dann gibt es Alternativen. Bei uns und ich denke auch bei anderen üblich ist, das AGT einfach einen Müllbeutel über den Kopf bekommen, das Schränkt die sicht auch ziemlich ein.

    • Vielen Dank für den Hinweis. Der Müllbeutel ist sicher weit verbreitet. Ebenfalls funktioniert Luftpolsterfolie ganz gut, die man mit einem Gummiring an der Maske befestigt. Oder auch handelsübliche Kunststoff-Schuhüberzieher (aus Krankenhäuser beispielsweise) – die haben einen integrierten Gummizug…

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